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Wohngebiet - Kirchen - Schulen - Jugendarbeit - Seniorenarbeit - Industriestandort

 

Wohngebiet

Schon während des Ersten Weltkrieges erkannte der Vorsitzende des 1915 gegründeten Hauptausschusses für Kriegerheimstätten, Damasche: Die siegreichen Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 kehrten vielfach in verwahrloste und überfüllte Mietskasernen zu ihren Familien zurück. Diese Quartiere waren Brutstätten der Tuberkulose, der Säuglingssterblichkeit, des Alkoholismus und der Kriminalität. Nach Beendigung des Ersten Weltkriegs rückten diese Mißstände wieder schonungslos ins Bewußtsein reformerischer Kräfte: Die Idee der Gartenstadt entstand, die auch in Heidelberg Anklang fand. Von „einwandfreien gesunden Wohnungen in Einfamilienhäusern mit Gärten“ war in einem Flugblatt die Rede, das bereits im Frühjahr 1918 für die Gründung der „Gemeinnützigen Baugenossenschaft für Volks- und Kriegerheimstätten Heidelberg“ warb. Die wachsende Wohnungsnot hatte wohl diese Initiative vorangebracht. Am 4. Februar 1918 trafen sich im Vereinslokal des Kaufmännischen Vereins (in der Hauptstraße 77 in Heidelberg) rund 50 Interessierte. Ein Ausschuß wurde gegründet, eine öffentliche Versammlung auf den 11. Mai 1918 einberufen und schließlich im Gartensaal der Harmonie (Hauptstraße/Ecke Theaterstraße, heute Kino-Zentrum) die Gründung einer Genossenschaft vollzogen. Damit war der gedankliche Grundstein für die Anlage eines neuen Heidelberger Stadtteils gelegt: „Der Pfaffengrund“, heute zu den älteren Neusiedlungen Heidelbergs zählend, war ein Kind der sozialen Not, gar des Krieges.

Am 6. Mai 1919 kam es zum Abschluß eines Erbbauvertrags zwischen der erwähnten „Gemeinnützigen Baugenossenschaft“ und der Stadt Heidelberg. Dieser Vertrag gilt als Geburtsurkunde des westlichsten Stadtteils von Heidelberg.

Bei der Wahl des Namens für die neue Siedlung wurde auf Flurnamen zurückgegriffen, die auf dem weiten Ackerland zwischen Eppelheim und Heidelberg geläufig waren. Aus Gewannamen wie „Pfaffengründer Platte“, „Niederer und Hinterer Pfaffengrund“ und „Pfaffengründer Winkel“ wurde der Oberbegriff „Pfaffengrund“ abgeleitet. Das älteste bekannte Dokumente stammt aus dem Jahr 1487 und erwähnt „im loche in den pfaffengruben“.

>Die Baugeschichte des Pfaffengrunds reicht zurück in den Ersten Weltkrieg, während dessen der Vorstand des Heidelberger Bezirksbauamts, Oberregierungsrat Dr. Schmieder, aufgrund von Studien über ausländische Kleinbauten ein Bauprojekt für einen neuen Heidelberger Stadtteil konzipierte. Heidelbergs Bürgermeister Dr. Richard Drach nahm diesen Plan wieder auf und Dr. Schmieder wurde im Februar 1919 sofort mit dessen Ausführung betraut. Aber es fehlte an Grundbesitz und Vermögenswerten. Auch die Zeichnung großer Beträge durch „edle Menschenfreunde“ reichten nicht aus, um das Wohnbauprogramm beginnen zu können. Hier kam Hilfe durch die Stadtverwaltung. Namentlich durch die Fürsprache der Bürgermeister Dr. Drach und dessen Nachfolger Amberg fand die Genossenschaft wirksame Unterstützung sowohl bei der Beschaffung von Gelände wie in finanzieller Hinsicht.

Als erster Bauabschnitt war das Gebiet zwischen Pfaffengrundstraße, der Oberen und Unteren Rödt und dem Starenweg ausgewiesen. Hier sollten 103 Wohnungen, davon 15 mit vier Zimmern und Küche sowie 88 mit drei Zimmern und Küche, entstehen. Mit dem Erdaushub wurde im Juli 1919 begonnen. Trotz ungünstiger Zeitverhältnisse, Planänderungen, Streiks, Mangel an Fachkräften konnte eine bedeutende Anzahl von Wohnungen in kurzer Zeit fertiggestellt werden. Schon im Juni 1920 waren die ersten Häuser bezugsfertig. 450 Menschen fanden in 55 bzw. 66 m² großen Wohneinheiten Unterkunft, zu denen jeweils ein 1,5 bis 2,6 Ar großes Gartenland mit einem Kleintierstall gehörte. Am 12. September 1920 fand die Einweihung der Siedlung statt. Im Oktober wurden die letzten 20 Wohnungen bezogen.

Die ersten Jahre waren für die Bewohner des Pfaffengrunds nicht immer leicht, da praktisch die gesamte Infrastruktur fehlte. Straßen mußten von den Anliegern teilweise selbst ausgebaut werden. Zunächst gab es keinen Strom und damit kein elektrisches Licht. Geschäfte fehlten ebenso wie Schulen. Die Kinder besuchten die Wilckensschule in Bergheim. Die Gleise der Straßenbahn waren übrigens schon 1915 in die Eppelheimer Landstraße gelegt worden. Auf dieser ursprünglichen Linie 10, heute Linie 2, verkehrten wegen des Weltkriegs aber die ersten Straßenbahnen erst im April 1919, von 1928 an sogar im Sechs-Minuten-Takt.

Ein zweiter Bauabschnitt mit insgesamt 71 Wohnungen konnte im Jahr 1921 fertiggestellt werden. Auch Dienstleistungsbereiche wurden nun geschaffen: Am Markt entstanden Ladenräume, ein Metzger, ein Friseur, ein Haushaltungs-, Schuh- und Papierwarengeschäft siedelten sich an. Ein Arzt ließ sich nieder auch ein Polizeibeamter wurde im Pfaffengrund stationiert. Im April 1921 wurde damit begonnen, die Lücke zwischen der Pfaffengrundstraße und Marktplatz zu schließen. Innerhalb von 8 Monaten entstanden 42 neue Wohnungen. Nun sollte die Siedlung Pfaffengrund nach Süden und Westen erweitert werden. Dazu bedurfte es der Aufstellung eines Lageplans und der Beschaffung von weiterem Baugelände. Als bereits im Juni 1921 mit diesem vierten Bauabschnitt begonnen wurde, war gerade das elektrische Kabelnetz verlegt worden. Hier wurde nun ein neuer Typ von Zweizimmerwohnungen errichtet. Die katholische Kirchengemeinde stellte in diesem Jahr eine Notkirche auf, die unteren Schulklassen wurden in einer Baracke unterrichtet.

Im Jahr 1922 folgte auf die große Bautätigkeit ein Rückschlag. Auslöser dafür war die sich rasch beschleunigende Inflation. Der Versuch, in Selbsthilfe ein Versammlungslokal zu bauen, ließ sich nicht realisieren. Doch dieser Vorstoß war nicht vergebens: Eine Brauerei stellte das Geld zum Bau einer provisorischen Versammlungshalle zur Verfügung, der erste Schritt zur Vollendung eines Gesellschaftshauses war getan. Selbst im Inflationsjahr 1923 wird im Pfaffengrund weitergebaut. Der Marktplatz wird im Süden durch die Errichtung des Verwaltungsgebäudes abgerundet. Hier finden auch die Genossenschaftszentrale, die mit 8 Mann besetzte Polizeiwache und eine Arztpraxis Platz. Im Hof des Gebäudes werden Räume für Kraftfahrzeuge und Löschgeräte geschaffen. Die neue Feuerlöschstation der Siedlung, Keimzelle der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Pfaffengrund, wurde am 13. Dezember 1924 feierlich eingeweiht.

Der Bürgerausschuß der Stadt Heidelberg genehmigte 1924 den Bau eines massiven Schulhauses mit zwei Lehrerwohnungen. Am 22. April 1926 wurde es seiner Bestimmung übergeben. Gleichzeitig baute die evangelische Kirche ihr Gemeindehaus, das am 5. Juli 1925 eingeweiht werden konnte. Im Laufe des Jahres 1926 wurde ein weiterer Bauabschnitt realisiert. Pfaffengrundstraße, Marktstraße und Storchenweg bis zur Schützenstraße waren nun an der Reihe, so daß gewissermaßen das Schulhaus und das evangelische Gemeindehaus umbaut wurden. Verschiedene Wohnhaustypen nahmen Gestalt an, z.B. am Schulplatz acht Wohnungen mit je zwei Zimmern und Küche oder sechs Häuser mit je vier Zimmern und Küche. Auch an eine neue Bäckerei und Metzgerei wurde gedacht. An der Markt- und Pfaffengrundstraße entstanden zwölf Häuser mit je drei Zimmern und Küche sowie ein Ökonomiegebäude zur Unterbringung von Pferden, Wagen und Zubehör. Die Stadt erstellte zwei Häuser mit Vier-Zimmer-Wohnungen. Insgesamt entstanden in diesem Bauabschnitt 34 neue Wohnungen.

Im Jahr 1927 zählte der Pfaffengrund schon 1850 Einwohner. Als 1932 die Millionenarbeitslosigkeit kulmierte, erhielten 100 arbeitslose Familienväter (zwei Jahre später 50 weitere) Darlehen von je 2500 Reichsmark, damit sie im Pfaffengrund in Eigenarbeit ihre Häuschen bauen konnten.

Die Jahre 1933 bis 1945 waren geprägt von verhaltenem Widerstand gegen das Hitlerregime von der der Sozialdemokratie nahestenden Bevölkerung einerseits und den beiden Kirchen andererseits, was nicht zuletzt auch zu Verhaftungen und Konzentrationslager führte. 1935 wurde die Autobahn zwischen dem Pfaffengrund und dem benachbarten Eppelheim gebaut. Am 20. September 1940 schlugen englische Fliegerbomben in ein Haus zwischen Pfaffengrundstraße und Finkenweg ein und töteten den Vater und zwei erwachsene Kinder.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte auch in Heidelberg eine große Wohnungsnot durch den Zuzug tausender Flüchtlinge, verstärkt durch die hereindrängenden amerikanischen Besatzungstruppen, deren Soldaten in requirierte Häuser eingewiesen wurden. Der Pfaffengrund wurde sehr früh als ideales Neubaugebiet entdeckt, und schon 1947 begann der Siedlungsdienst des evangelischen Hilfswerks mit dem Bau von 50 Wohnungen – wie in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg teilweise in Selbsthilfe. Trotz des Fehlens von Baumaschinen und trotz primitivster Hilfsmittel gingen die Neusiedler ans Werk; selbst Steine wurden in Handarbeit hergestellt. Die Stadt Heidelberg konnte für die geplanten 50 Wohnungen nur für Klosettbecken Bezugsscheine zur Verfügung stellen. Doch schon im Sommer 1948 zogen die ersten 20 Familien in die neuen Häuser an der Schützenstraße ein.

In den 50er Jahren engagierten sich weitere Baugenossenschaften und die Städtische Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz im Pfaffengrund. Die Zahl der Einwohner hatte sich ziemlich rasch von etwa 2500 am Ende des Zweiten Weltkrieges auf etwa 9000 Ende der 50er Jahre erhöht. In den Folgejahren wurde weiter in Richtung Süden gebaut, bis der Steinhofweg den südlichen Abschluß bildete. In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts gab es noch einmal Neubauten im Bereich Fasanenweg/Bussardweg – „Nachverdichtung“ wurde dies amtlicherseits genannt. Heute wohnen, bedingt durch den Wegzug der vielen, inzwischen aus den kinderreichen Familien erwachsenen Jugend, nur noch etwa ca 7800 Menschen im Pfaffengrund.

Eine Besonderheit stellt die im Norden, an der Grenze zur Wieblinger Gemarkung liegende „Exklave“ Asternweg/Im Wellengewann/Tulpenweg dar. Eingezwängt zwischen Industriegebiet und der Bahnlinie und durchschnitten vom Kurpfalzring entstand mit einer Nachverdichtung in den 80er Jahren ein kleines kompaktes Wohngebiet, das aufgrund seiner Abgeschiedenheit leider nur lose Bindungen zum Stadtteil besitzt.

 

Kirchen

Parallel zur städtebaulichen Entwicklung der Siedlung Pfaffengrund verlief das Wachstum der Kirchengeschichte.

Die katholische Gesamtkirchengemeinde Heidelberg kaufte 1921 eine Baracke aus einem Komplex von Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkrieges und baute diese als Notkirche im Pfaffengrund auf. Am 24. September 1932 wurde sie auf den Namen „St. Joseph“ geweiht. Aber schon am 31. Juli 1938 wurde neben der Baracke der Grundstein für die neue Kirche St. Marien gelegt. Am 2. Juli 1939 konnte die Kirche gesegnet werden. Der Krieg zog die Baugeschichte in die Länge, so daß die Kirche erst am 8. Juli 1947 geweiht werden konnte. Von November 1936 bis Juni 1937 entstand an der Ecke Marktstraße/Schützenstraße ein Schwesternhaus mit anschließendem Kindergarten für 3 Gruppen. Ein neues Gemeindehaus entstand 1970/71 gegenüber der Kirche an der Marktstraße. Dieses Haus war lange Zeit mangels anderweitiger größerer Räumlichkeiten Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens für den ganzen Stadtteil. Die katholische Pfaffengrunder Gemeinde wurde am 20. Dezember 1961 zur selbständigen Pfarrgemeinde „St. Marien“ im katholischen Kirchenbezirk Heidelberg ernannt, ihr erster Pfarrer war Pfarrer Anton Klausmann, der schon 1935 als Kurat (Pfarrverweser) in den Pfaffengrund kam.

Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Heidelberg erstellte 1924/1925 ein Gemeindehaus als „baulich würdiges Gegenstück zum Schulhaus“, das am 5. Juli 1925 eingeweiht werden konnte. Dieses Haus war über lange Jahre hinweg Kirchsaal, Pfarrwohnung, Wohnung für die Kranken- und Kinderschwestern, Schwesternambulanz, beherbergte bis zum Jahr 1993 einen zweigruppigen Kindergarten und war ganz zu Anfang sogar eine Zeit lang Post- und Rentenstelle. 1993/1994 wurde das Haus grundlegend saniert, nachdem zuvor die Stadt Heidelberg auf dem Grundstück des Gemeindehauses einen neuen dreigruppigen Kindergarten „Arche Noah“ erstellt hatte, der in die Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde überging. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre waren die Pläne für eine neue evangelische Kirche entstanden. Der Bau erfolgte aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Auferstehungskirche wurde am 10. April 1950 eingeweiht.

Aufgrund der steigenden Einwohnerzahlen im Pfaffengrund musste eine zweite evangelische Gemeinde gebildet werden. Im Heimgarten entstand 1964 ein Gemeindezentrum „Stephanushaus“ mit großem Mehrzweckraum, Gruppenräumen und Wohnungen sowie einem Pfarrhaus. Die Stephanusgemeinde wurde zur selbständigen Gemeinde im evangelischen Kirchenbezirk Heidelberg, ihr erster Pfarrer war Willi Müller, der schon zuvor zusammen mit seinem Kollegen Hans Eberle Pfarrer der Gesamtgemeinde im Pfaffengrund war. Zum 1. November 2001 schlossen sich die beiden evangelischen Gemeinden zu einer Gemeinde zusammen, die jetzt Emmaus-Gemeinde heißt.

Die Kirchengemeinden im Pfaffengrund betätigen sich sehr stark im sozialen Bereich. Schon während der Gründerzeit entstanden selbständige Sozialstationen, die von den beiden Gemeinden getragen wurden und mit katholischen Nonnenschwestern bzw. evangelischen Diakonissen besetzt waren. Die Sozialstationen gingen in den 1990er Jahren in die beiden Sozialstationen der katholischen bzw. evangelischen Gesamtkirchengemeinde über. Mit einem dreigruppigen katholischen, einem dreigruppigen evangelischen und einem zweigruppigen evangelischen Kindergarten, die heute unterschiedliche Angebote für schon zweijährige Tagheimkinder bis zur Betreuung von Schulkindern machen, ist der Bedarf an Tagheimplätzen im Pfaffengrund im Prinzip gedeckt. In ökumenischer Trägerschaft befinden sich die Nachbarschaftshilfe, 1988 gegründet, und das von der Stadt Heidelberg erstellte und in kirchliche Trägerschaft übergebene Senioren Zentrum Pfaffengrund.

 

Schulen

Bis zum Jahr 1921 mußten die Kinder mit der Straßenbahn in die Wilckensschule nach Bergheim fahren. Im Jahr 1921 wurde dann als Notbehelf für die unteren Klassen eine Baracke als Schulgebäude aufgestellt. Schließlich genehmigte der Bürgerausschuß der Stadt Heidelberg im Jahr 1924 den Bau eines massiven Schulhauses mit zwei Lehrerwohnungen. Diese Schule konnte am 22. April 1926 seiner Bestimmung übergeben werden. Die Schule wurde in ihrer Längsrichtung nach beiden Seiten erweitert. In ihr ist heute die Stauffenbergschule, eine Sprachheilschule , untergebracht.

In den 60er Jahren wurde die vorhandene Schule Richtung Westen durch einen Neubau erweitert. Sie erhielt den Namen Albert-Schweitzer-Schule und beherbergt eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule.

Eine besondere Bedeutung erlangte das im Süden des Stadtteils erbaute „Stöckerwerk“, heute eines der größten Rehabilitationszentren in Deutschland. Es war ursprünglich im evangelisch-kirchlichen Umfeld angesiedelt, gehört aber seit 1966 zum Berufsförderungswerk Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH-Gruppe). Das Zentrum beherbergt 400 Internats- und Ausbildungsplätze.

Von überregionaler Bedeutung ist eine weitere Schule, die Graf-von-Galen-Schule errichtet. In ihr werden geistig und körperlich behinderte Kinder unterrichtet.

Das Land Baden-Württemberg erstellte in den Jahren . am Diebsweg die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau mit Staatlicher Fachschule für Gartenbau, eine einjährige Fachschule für Gartenbau mit Vorbereitungslehrgängen für die Meisterprüfung Gartenbau und einem Versuchsbetrieb Produktionsgartenbau Fachrichtungen Zierpflanzenbau, Gemüsebau, Garten- und Landschaftsbau. Die Schule wurde in den 1990er Jahren grundlegend saniert und erweitert.

Privatrechtlich organisiert ist schließlich die Imkerschule des Badischen Imkervereins in der Schützenstraße. Jährlich besuchen etwa 1500 Imkerinnen und Imker die „Bienschul“ für Fort- und Ausbildung. Regelmäßig kommen auch Schulkinder im Rahmen des Biologieunterrichts, um sich über die Imkerei kundig zu machen.

 

Jugendarbeit

Über die drei kirchlichen Kindergärten wurde im Kapitel Kirchengeschichte ausführlich berichtet. Eine weitere Kindertageseinrichtung unterhält die Arbeiterwohlfahrt mit einem eingruppigen Kindergarten mit Hort.

Mit dem Jugendhaus „Röhre“, einer städtischen Einrichtung in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt, wurde im Jahre 1996 dem dringenden Bedürfnis nach betreuter Kinder- und Jugendarbeit entsprochen. Bis zur Fertigstellung des neuen Gesellschaftshauses, in dem die Einrichtung seither untergebracht ist, war das Jugendhaus in einem Industriebetrieb, in dem Leuchtröhren hergestellt werden, untergebracht. Dieser Betrieb inspirierte damals die Jugendlichen und deren Eltern zur Namensgebung. Mit interessanten Angeboten für verschiedene Altersstufen werden Kinder und Jugendliche montags bis freitags am Nachmittag und Abend betreut.

Kinder- und Jugendarbeit wird auch in den drei Kirchengemeinden und in vielen Vereinen – dazu zählen wir auch die Freiwillige Feuerwehr – angeboten und rege genutzt.

 

 

Seniorenarbeit

Gezielte Seniorenbetreuung wurde über viele Jahre hinweg ausschließlich von den drei Kirchengemeinden und der Arbeiterwohlfahrt betrieben. In den jeweiligen Seniorengruppen und Altenclubs war man unter sich, neu Hinzukommende wurden aber immer sehr willkommen aufgenommen. Nachdem sich in den 1970er bis 1990er Jahren die Altersstruktur im Pfaffengrund aber immer mehr zugunsten der Senioren verschob, erkannte die Stadt Heidelberg Handlungsbedarf: Entweder ein Altenheim bauen oder gezielte Seniorenarbeit, die die älteren Menschen nicht nur einmal in der Woche, sondern möglichst täglich aus ihren Wohnungen herausholt. Die Idee der Seniorenzentren, in jedem Stadtteil eines, war geboren. Die Senioren sollen in den Zentren sinnvoll beschäftigt werden, die geistigen und körperlichen Kräfte sollen mobilisiert und weitestgehend erhalten werden, ein Mittagstisch möglichst täglich angeboten werden. Eines der ersten Seniorenzentren der Stadt Heidelberg wurde im Pfaffengrund eingerichtet und in kirchliche Trägerschaft übergeben. Das Seniorenzentrum Pfaffengrund, eine ökumenische Einrichtung unter dem Dach der evangelischen Diakonie, begann am ...... seine Arbeit – noch im alten Gesellschaftshaus im Storchenweg. Dieses Haus wurde ...... abgebrochen, um einem Neubau für das Seniorenzentrum und für eine Seniorenwohnanlage mit dem Angebot Betreutes Wohnen Platz zu machen. Während der Bauzeit fand das Seniorenzentrum im evangelischen Gemeindehaus Unterkunft. Das Angebot des Seniorenzentrums Pfaffengrund ist sehr vielschichtig und wird sehr rege angenommen. Montags bis freitags wird ein Mittagstisch angeboten und einmal monatlich ein Sonntagscafé. - Die Statistiken geben diesem Konzept der Stadt Heidelberg recht: Senioren können nun wesentlich länger in ihren angestammten Wohnungen wohnen bleiben und dort nötigenfalls die Dienste von Nachbarschaftshilfe und Betreutem Wohnen in Anspruch nehmen. Erst sehr viel später, wenn Pflegebedürftigkeit besteht, ist in seltenen Fällen noch ein Wechsel in ein Alten- oder Pflegeheim oder in die Seniorenwohnanlage möglich.

Im Jahre ...... wurde der Verein Betreutes Wohnen gegründet. Er berät Bauherren, insbesondere Baugenossenschaften, wenn es um die Einrichtung neuer bzw. Änderung bestehender barrierefreier und altengerechter Wohnungen geht. Er berät Behinderte und Senioren rund ums Wohnen und die Pflegeleistungen. Und schließlich war der Verein maßgeblich an der Planung der neuen Seniorenwohnanlage im Storchenweg beteiligt. Mit eigenen Pflegekräften werden Pflegedienstleistungen hauptsächlich im Pfaffengrund, aber auch in anderen Heidelberger Stadtteilen geleistet.

Ein Alten- und/oder Pflegeheim der herkömmlichen Art sollte im Pfaffengrund nicht entstehen. Vielmehr wollte man neue Wege in der Seniorenbetreuung gehen. Ein Teil dieses Konzepts sind die oben beschriebenen Seniorenzentren. Dessen ungeachtet gab es im Pfaffengrund viel zu wenig alten- und behindertengerechte Wohnungen. Wohl wurden einige frei werdende Wohnungen im ganzen Stadtteil durch die Baugenossenschaft entsprechend umgebaut, aber das reichte bei weitem nicht aus. So entstand die Idee, ein Haus zu bauen, in dem kleine Wohneinheiten nur für Senioren zur Verfügung stehen. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollten aber, wie in den herkömmlichen Wohnungen, weitestgehend selbständig sein und nur im Bedarfsfall Pflegedienste in Anspruch nehmen oder auswärts ihre Mahlzeiten einnehmen müssen. So entstand nach intensiver Standortsuche und Planung durch die Baugenossenschaft Neu-Heidelberg in enger Kooperation mit der Stadt Heidelberg die Seniorenwohnanlage „Christian Stock“ im Storchenweg an der Stelle des alten Gesellschaftshauses. Teil dieser Bebauung ist das oben beschriebene Seniorenzentrum Pfaffengrund. Namenspate für die Wohnanlage ist Christian Stock, vor dem Zweiten Weltkrieg Arbeitersekretär und Mitbegründer der Baugenossenschaft Neu-Heidelberg, von der US-Militärregierung nach dem Zweiten Weltkrieg als erster Ministerpräsident des Landes Hessen berufen.

 

Industriestandort

Ein verdienter Bürger des Stadtteils, Friedel Eschwey, brachte es auf einen kurzen Nenner: „Ohne den Pfaffengrund hätte die Stadt Heidelberg den Sprung zur modernen Großstadt bis heute nicht geschafft. Der Pfaffengrund – das waren für die Stadt nicht nur dringend notwendige Wohnungen. Hier begann auch die Entwicklung zum Industriestandort Heidelberg.“ Es ist Wirklichkeit geworden, was bei der Gründung des Pfaffengrunds 1919 als Vision formuliert wurde, nämlich „daß das Land um das Gaswerk in Zukunft als Industriegelände Verwendung finden sollte“. Lange Zeit war das Industriegebiet Pfaffengrund Haupt-Arbeitgeber der Pfaffengrunder Bevölkerung. Inzwischen arbeitet nur noch ein geringer Teil der Pfaffengrunder Bürger hier. Stattdessen gibt es eine große Anzahl von Einpendlern.

Keimzelle des Industrie- und Gewerbegebiets im Pfaffengrund ist das ehemalige städtische Gaswerk. Im Jahr 1949 wurde es ergänzt durch einen 70 m hohen Gaskessel, ein Gebäude, das imposant und wuchtig die ganze Umgebung dominierte. Aber schon in den 1960er Jahren wurde die Gaserzeugung eingestellt, und der Gaskessel im Jahr 1985 wieder abgebrochen. Das große Gelände des ehemaligen Gaswerks, auf dem sich auch ein Heizwerk befindet, ist heute im Besitz der Stadtwerke Heidelberg AG und soll in naher Zukunft Omnibus-, evtl. auch Straßenbahndepot der Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG werden.

Firmen siedelten sich an, deren Namen und Produkte zum Teil weltweit einen guten Ruf genießen. Esemplarisch seien genannt: Stotz-Kontakt, ein Betrieb der Elektrotechnik, der später der BBC-Gruppe und diese wiederum dem ABB-Konzern eingeglieder wurde. Teroson, ein im chemischer Betrieb, heute zum Henkel-Konzern gehörend. Grau-Bremse, ein Zulieferbetrieb der Fahrzeug- und Waggonindustrie, gehört heute dem Haldex-Konzern und bekam auch diesen Namen; dieser Betrieb wird 2002 leider in ein neues Firmendomizil nach Wieblingen umziehen. Viele mittlere und kleinere Betriebe scharten sich um diese größeren Firmen. Auch sie haben in ihrem Marktbereich zum Teil sehr gute Namen. Freilich sind auch Pfaffengrunder Betriebe nicht von den seit ihrer Gründung eingetretenen Rezessionen oder hausgemachten Problemen verschont geblieben und inzwischen wieder verschwunden. Auch hierzu ein paar Beispiele: Zigarrenfabrik, Osenbrück - ein holzbearbeitender Betrieb. Anhängerbau, Febolit - ein Hersteller von Kunststoff-Bodenbelägen. Kraftanlagen, im Heizungs-, Klima- und Kraftwerkbau tätiges Unternehmen. Eltro, ein Betrieb der Elektronikbranche und militärischer Ausstatter. An ihre Stelle traten neue Betriebe: Große Verbrauchermärkte, ein Bauunternehmen und viele kleinere Betriebe, in jüngster Vergangenheit insbesondere im Dienstleistungsbereich. Ende der 1990er Jahre wurde die ursprünglich im Stadtteil Bergheim angesiedelte Heidelberger Brauerei in einen neuen, nach modernsten Gesichtspunkten gebauten Betrieb auf dem Gelände der ehemaligen Kraftanlagen verlagert.

Am 28. März 1996 fand auf Einladung der Stadt Heidelberg eine Gesprächsrunde mit 40 Firmenvertretern aus dem Industrie- und Gewerbegebiet Pfaffengrund statt. Es war der Auftakt für eine Reihe von Maßnahmen zur Sicherung dieses traditionellen Industrie- und Gewerbestandortes Heidelberg. Daraus entwickelte sich das „Gewerbenetzwerk Pfaffengrund“ zwischen der städtischen Heidelberger Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft mbH einerseits und Pfaffengrunder Betrieben andererseits. Erstes und bisher wichtigstes Ergebnis ist ein zwischenbetriebliches Stoffverwertungsnetz, in dem verwertbare Abfälle von Betrieben in anderen Betrieben weiterverwertet werden. Es wurden Pools zur gemeinschaftlichen Abfallentsorgung und zum gemeinschaftlichen Energieeinkauf gegründet. Ein Flächenmanagement zur Verwertung, Verkauf oder Vermietung freier Büro- und Gewerbeflächen und brachliegender Freiflächen. Maßnahmen zum äußeren Erscheinungsbild wurden erarbeitet, und seit 2002 hat das Gewerbenetzwerk Pfaffengrund eine eigene Website: www.heidelberg-pfaffengrund.de. Nach wie vor treffen sich die Vertreter des Gewerbenetzwerks am Runden Tisch.